In einer Ära, in der Polarisierung oft unser Standardmodus ist und Angst sich als Überzeugung tarnt, wird echte Kommunikation immer schwieriger. Wenn Meinungen verhärten und komplexe Realitäten zu stark vereinfacht werden, verstummen die ausgewogenen Stimmen. LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP) bietet hier einen Weg, um Menschen wieder als Menschen und nicht nur als Träger von Meinungen zusammenzubringen.
Wenn Angst den Dialog erstickt
Die Ausgangslage für dieses Projekt war eine Gemeinschaft von rund 2’500 Menschen, die durch geopolitische Entwicklungen und unterschiedliche Lebensstile unter starken Spannungen litt. Viele fühlten sich in einer lauter werdenden Welt unsicher und zogen sich in die Verteidigung ihrer eigenen Positionen zurück, da Unsicherheit oft in Rigidität umschlägt.
Zusammen mit den Gemeindeleitern entwickelten wir einen Abend, an dem 80 Teilnehmende – trotz ihrer Skepsis oder Wut – zusammenkamen, um einander zuzuhören und Fragen zu stellen.
Die Methode: Denken mit den Händen
Das Besondere an der LSP-Methodik ist, dass sie die Menschen entschleunigt. Das Bauen mit den Händen schafft eine notwendige Pause zwischen dem Gedanken und dem Wort. Ein Raum für Reflexion, bevor eine Reaktion erfolgt. Während des Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an vier Kernfragen:
- Wie wollen wir die Kommunikation in unserer Gemeinschaft gestalten?
- Wie navigieren wir durch komplexe Realitäten?
- Wie behandeln wir einander trotz unterschiedlicher Denk- und Lebensweisen?
- Was schätzen wir wirklich an unserer Gemeinschaft?
Was wir von den „schwierigen“ Tischen lernen
Nicht jeder Tisch fand sofort zu einer harmonischen Lösung, doch gerade diese Momente lieferten wertvolle Erkenntnisse über unsere heutige Kommunikationskultur:
- Tief sitzende Verteidigungsmuster: An einem Tisch konnten Teilnehmende ihre persönliche Agenda nicht loslassen; die wertebasierte Kommunikation löste sich in bekannte Debattenmuster auf. Dies zeigt, wie tief defensives Verhalten in uns verwurzelt ist.
- Entwöhnung von Reflexion: Ein anderer Tisch kämpfte mit der Methodik selbst, da der Zugang zu metaphorischem Denken schwerfiel. Dies verdeutlicht, wie unvertraut uns echte Reflexionsräume in einer auf Schnelligkeit getrimmten Welt geworden sind.
- Daten statt Scheitern: Diese Schwierigkeiten waren keine Misserfolge, sondern wichtige Daten, die zeigten, wo die Blockaden in der Gemeinschaft liegen.
Ambiguitätstoleranz als neue Kernkompetenz
Ein zentrales Learning des Abends war die Bedeutung der Ambiguitätstoleranz. In einer Welt, in der Ambiguität (Mehrdeutigkeit) oft als unerträglich empfunden wird, neigen wir dazu, komplexe Wahrheiten zu simplifizieren.
Echte Veränderung erfordert jedoch einen Kulturwandel: Wir müssen lernen, Mehrdeutigkeit als Weisheit statt als Schwäche zu ehren. Die Steine gaben den Teilnehmenden die Erlaubnis, verletzlich zu sein und in einer Welt, die ständige Gewissheit verlangt, auch einmal „Ich bin unsicher“ zu sagen, ohne dass man sich eine Blösse gibt.
Fazit: Mensch zuerst, Meinung zweitens
Der Workshop war ein Anfang, keine fertige Lösung für 2’500 Menschen. Er hat jedoch gezeigt, dass wir durch Neugier statt Verurteilung Brücken bauen können. LSP bietet die Struktur, um sich als Menschen zuerst zu begegnen – in einer von Angst getriebenen Welt ist dies vielleicht der radikalste Akt von allen.
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